June 10, 2013
"Im 21. Jahrhundert wird der Drogenkonsum noch zunehmen. … Während der Herrschaft der ,Eisernen‘ wächst die Sehnsucht nach dem zeitlosen Sein."

— Ernst Jünger

May 18, 2013
"Aber was ich sagen will, ist nun, daß das Glück, das von den Kunstwerken ausgeht, oder meinetwegen sogar der Genuß, den die Kunstwerke bereiten, nicht unmittelbar eins ist mit ihrer ästhetischen Erfahrung; daß ihre ästhetische Erfahrung selbst nicht in ihren einzelnen Momenten unmittelbar Genuß bereitet, wie der Dilettant und der Spießbürger es sich vorstellen, die das Kunstwerk in einen Teller mit Rippchen und Kraut verwandeln, sondern daß das Kunstwerk eigentlich das Glück dadurch bereitet, daß es ihm gelingt, einen so in sich hineinzuziehen, […] daß es einen also nötigt, die Bahnen mitzugehen, die es in sich selbst beschreibt; und daß es einen dadurch allerdings der entfremdeten Welt, in der wir leben, entfremdet, und durch diese Entfremdung des Entfremdeten die Unmittelbarkeit oder das unbeschädigte Leben selber eigentlich wiederherstellt. Wenn es so etwas wie Glück am Ästhetischen oder wie ästhetischen Genuß gibt, dann liegt dieser Genuß also in der Leistung, die, wenn ich so sagen darf, das Kunstwerk an uns vollzieht, indem es uns absorbiert, indem wir in es eingehen und indem wir ihm folgen. […] Ich möchte wenigstens andeuten, daß Sie an dieser Stelle freilich auch die Problematik der Kunst selber in einer sehr grundsätzlichen Weise berührt finden. Denn diese Kraft des Kunstwerks, einem die entfremdete Welt nochmals zu entfremden, ist ja selber eben doch ein Moment des Scheins. Diese reale Welt, der wir dabei entfremdet werden, wird dadurch nicht in ihrer Entfremdetheit aufgehoben, sondern gerade dadurch, daß wir uns ihr entziehen, in einem gewissen Sinn eben so belassen."

— Theodor W. Adorno (2009/1958/59): Ästhetik, Nachgelassene Schriften, Abt. IV: Vorlesungen, Band 3, S. 192, 193f. (via hintergrundrauschen)

May 17, 2013
"Nach dem Zweiten Weltkrieg ist alles, auch die auferstandene Kultur zerstört, ohne es zu wissen; die Menschheit vegetiert kriechend fort nach Vorgängen, welche eigentlich auch die Überlebenden nicht überleben können, auf einem Trümmerhaufen, dem es noch die Selbstbesinnung auf die eigene Zerschlagenheit verschlagen hat."

— Theodor W. Adorno (1981): Versuch, das Endspiel zu verstehen, S. 285.

(Source: hintergrundrauschen, via abgrundtiefe)

May 14, 2013
"„Wenn man die Geschichte erforscht, nicht in den gereinigten Ausgaben, die für Volksschulen und Gymnasien veranstaltet sind, sondern in den echten Quellen aus der jeweiligen Zeit, dann wird man völlig von Ekel erfüllt, nicht wegen der Taten der Verbrecher, sondern wegen der Strafen, die die Guten auferlegt haben; und eine Gemeinschaft wird unendlich mehr durch das gewohnheitsmäßige Verhängen von Strafen verroht, als durch das gelegentliche Vorkommen von Verbrechen.“ Oscar Wilde"

Wir wissen, was Sie im letzten Frühjahr getan… « Antideutsche Aktion Berlin

May 14, 2013
"Gefühle sind flüchtig, verschlungen und trügerisch. Teils kennen sie den eigenen Namen nicht, teils wollen sie ihn nicht verraten. Was uns als Fremdes abstößt, ist uns nur allzu vertraut, uns ekelt, wonach wir gieren, wir putzen, um im Schmutz zu wühlen, man glaubt zu leiden und genießt dabei den Schmerz in vollen Zügen, es tut so weh, aber das tut so gut, wir fesseln, fressen und erdrücken nicht die Menschen, die wir hassen, sondern die wir lieben, wir lieben in der zarten Schönheit einer Blüte unsere eigene Übermacht, die Blättchen einzeln abzuzwicken, vermeintlich vor wilden Tieren soll das Begräbnis unsere Toten schützen, in Wahrheit aber uns vor ihnen, vor ihrem Fluch, vor den Gespenstern, und tiefste Trauer ist eine berechnende List, die Toten gnädig zu stimmen, die wir im Leben so oft verwünschten. Kein echtes, aufrichtiges und reines Empfinden daher, das nicht auch durchtrieben, doppelbödig und vorgetäuscht wäre."

— ||| Wolfgang Pohrt, Die Angst der Deutschen (via herrkeuner)

May 12, 2013
Reader "Tough Baby" Zur Verfasstheit des nachbürgerlichen Subjekts

Die mit dem vorliegenden Reader dokumentierte Veranstaltungsreihe aus dem
Sommer 2003 widmete sich der Konstitution und Psychopathologie des aktuellen
postfordistisch-postfaschistischen Subjekts.
Sie schloß an die Reihe »Deutsche Projektionen. Zur Kritik antisemitischer Weltbilder« im Frühjahr 2002 an.

May 8, 2013
"Durch die Erfahrung der Ohnmacht seiner selbst mächtig bleiben: Die Möglichkeit und Unmöglichkeit, diese Forderung einzulösen, ist Amérys Thema, wobei diese Ohnmacht als unmittelbare leibliche Bedrohung zu Ende gedacht wird, darin, dass „etwas Schlimmeres als der Tod“ (Adorno) zu fürchten ist: in der „Logik der Vernichtung“ im Lager, in der Tortur durch die Nazis und beim Antisemitismus als beständige Vernichtungsdrohung für die Juden. Diese Reflexion auf den Kern der Ohnmacht erlaubt es erst, den realen Verlust von Erfahrung in der unabsehbar vermittelten Gesellschaft so zu denken, dass er nicht fetischisiert wird, wie es der „Normalzustand“ der bürgerlichen Gesellschaft nahelegt, und die Fadenscheinigkeit dieses Zustands, den dahinter drohenden „Ausnahmezustand“, zu erfassen. Der Verlust von Erfahrung wird ja gerne zum Vorwand, die Welt wie Luhmann zu betrachten oder wie Foucault zu kritisieren; d. h. in Strukturen zu denken."

Gerhard Scheit - Interview zu Quälbarer Leib | Prodomo

May 6, 2013
"Die neuen Verantwortungsträger betreiben hingegen so etwas wie umgekehrte Ideologiekritik. Auch ihnen ist zwar an einer Versöhnung von Anspruch und Realität gelegen. Allerdings in negativer Hinsicht. Im Jargon der Zweiten Internationale: Die Antifa soll auch »für sich« werden, was sie »an sich« schon ist – staatstragend. Das Resultat dieser negativen Versöhnung wäre der endgültige Abschied von Kritik. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, wenn Andreas Reschke im Rahmen der Antifadebatte vorgeworfen wird, dass er die »dritte Position« jenseits von Volksgemeinschaft und Zivilgesellschaft, vulgo: »Dorfracket« und »Staatsantifaschismus«, gewahrt wissen wolle. Denn tatsächlich wird diese »dritte Position« nicht, wie im November im Conne-Island-Newsflyer behauptet, »gemeinhin als linksautonom« bezeichnet; sie ist vielmehr unter der Chiffre »Kommunismus« oder, etwas weniger auftrumpfend, des »ganz Anderen« (Horkheimer) bekannt. Die Fähigkeit, diese Position des »ganz Anderen« einzunehmen, ist sowohl die Voraussetzung für Kritik als auch für eine Parteinahme, die ihre eigenen Grenzen reflektiert. Kritik, die diesen Namen verdient, kann stets nur vom gedanklich (wie sonst?) antizipierten Zustand des Besseren geübt werden. Gerhard Stapelfeld: Erkenntnis – und der ist Kritik bekanntlich verpflichtet –, »die sich allein auf dem Boden des Gegenwärtigen bewegte, wäre in diesem gefangen, sie entzöge sich dem Begreifen«. Wer von der »dritten Position« nichts mehr wissen will, betreibt dementsprechend keine Kritik, sondern macht einen Verbesserungsvorschlag. Von der Kritik bleibt lediglich, wie in einem Beitrag zur Antifadebatte vom November 2007 nachgelesen werden kann, die Forderung, mal »ein Auge drauf« zu haben: ob der Staat vielleicht Dinge tut, die nicht ganz so dufte sind, ob die Mitbewohner ihren Müll trennen – oder ob das Teewasser im Vorzimmer der Professoren Müller, Meier und Rode überläuft."

Jan Gerber
No Country for old Men. Ein Kommentar zu einer Geisterdebatte
In: Cee Ieh 154 (2008)

Materialien zur Aufklärung und Kritik

May 6, 2013
"Mit dem Niedergang der Protestbewegung ging die revolutionäre Gewissheit, die den Aufruhr an deutschen Provinzgymnasien als Verlängerung eines weltweiten Kampfes um Befreiung erscheinen ließ, verloren. Die »Weigerung mitzumachen« ist seither auf sich selbst zurückgeworfen; sie kann sich weder auf historische Gesetzmäßigkeiten und ein revolutionäres Subjekt noch auf eine reale Möglichkeit auf Erfolg berufen. Ihr Movens ist allein das Wissen, dass es richtig ist, gegen das falsche Ganze anzugehen. Diese Situation, in der der »Zwang zu protestieren« um seine Erfolgsaussichten gebracht wurde, nähert den Kritiker gegen seinen Willen dem Existentialismus an. [15] Ohne die Aussicht auf Erfolg geraten seine Aktivitäten zur Arbeit um der Arbeit willen; sie werden betrieben, um nicht selbst kaputtzugehen, den Selbstekel, den das notwendige Mitmachen (physische Reproduktion!) bei kritischen Geistern gelegentlich erzeugt, zu minimieren und die bereits im Jugendalter einsetzende Vergreisung aufzuhalten. Protest und Widerstand nehmen damit ganz existentialistisch einen therapeutischen Charakter an – und nicht umsonst erinnern antifaschistische Organisationen oft an Selbsthilfegruppen, die den verzweifelten Einzelnen Halt geben, Familienersatz bieten und Leuten, die aufgrund ihrer verschrobenen Vorstellungen und Spleens anderswo keinen Anschluss finden würden, Sozialkontakte bescheren."

Jan Gerber
Me and my Monkey. Bemerkungen zu einer Debatte in der Zeitschrift Phase2 
In: Phase 2/18 

Materialien zur Aufklärung und Kritik

May 4, 2013
"Doch seine Kritik eines autoritären Staates rechtsstaatlicher Prägung, seine Überlegungen zum Staat als „Gesellschaftsplaner“ oder seine Charakterisierung der postnazistischen Parteienlandschaft der BRD als „plurale Fassung einer Einheitspartei“6 haben nichts an Aktualität verloren. Bei aller Kritik an seiner positiven Bezugnahme auf ‚die Beherrschten‘, an seiner mitunter traditionsmarxistischen Interpretation der Kritik der politischen Ökonomie, an einem funktionalistischen Antisemitismusbegriff in seinen faschismustheoretischen Schriften und an seiner praxisfetischistischen Ablehnung der Kritischen Theorie (eine Ablehnung, über die er sich in seinen letzten Lebensjahren allerdings sehr selbstkritisch geäußert hat), bleibt seine stets vom basso continuo der Ironie begleitete Kritik allein schon angesichts des staatsidealistischen Konformismus und der verbiesterten Humorlosigkeit großer Teile der heutigen Linken aktuell. Dass Johannes Agnoli sich auch am Ende seines Lebens sehr deutlich vom Mainstream der Linken abhob, kann man in dem Film Das negative Potential von 2003 sehen, in dem er – nur wenige Jahre, nachdem sich ein maßgeblicher Teil der globalen Linken im Abfeiern der antisemitischen Massaker in der zweiten Intifada und des Massenmords von 9/11 endgültig von jeder kritischen Aufklärung verabschiedet hatte – mit völliger Selbstverständlichkeit vom Islamismus als einer ähnlichen Bedrohung für die Emanzipation spricht, wie es historisch der Faschismus gewesen ist."

Denker der subversiven Kritik | Unique

ausführliche Fassung:
Der geduldige Revolutionär.
Stephan Grigat: zum 10. Todestag von Johannes Agnoli

April 30, 2013
Das Israelbild in deutschen Schulbüchern: Pädagogik des Ressentiments

jungle-world.com 17/2013

Wem sich bei dieser als unhinterfragbares Tatsachenwissen verkauften antiisraelischen Propaganda, die die Überlebenden der Shoa in zynischer Anerkennung ihrer »traumatischen Erfahrungen« zu Tätern stigmatisiert, die Haare sträuben, an dem ist entweder die deutsche Schulpädagogik gescheitert oder er hat das Glück der frühen Geburt genossen. Denn alle einleitenden Sätze finden sich in aktuellen deutschen Schulbüchern, mit Hilfe derer sich Kinder und Jugendliche hierzulande heute ihre politische Meinung bilden sollen.
[…]
Wiederholt wird Israel in den Schulbüchern in die Nähe eines Apartheidstaates gerückt, was sicher auch ein Erfolg der deutschen Linken ist, in deren Reihen die Gleichsetzung Israels mit einem rassistischen Regime sich seit jeher großer Beliebtheit erfreut und deren personeller und ideologischer Einfluss bei der Konzeption zumindest aktueller deutscher Schulbücher wohl ohnehin nicht unterschätzt werden sollte.

(Source: mavisions)

April 30, 2013
"„Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist […] die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. […] Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.“[26]"

Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. (1844).

April 28, 2013
"Mit Zitaten arbeitet Henscheid in seiner Autobiographie überhaupt gern, weisen sie doch darauf hin, wie wenig die Menschen sich alleine und wie viel sie »der Sprache« (Karl Kraus) respektive »der Welt« (Arthur Schopenhauer, Axel Springer) zu verdanken haben."

jungle-world.com - Archiv - 17/2013 - Dschungel - Eckhard Henscheids »Denkwürdigkeiten«

April 28, 2013
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Die Welt wurde von manchem 68er im eigenen Bewusstsein verändert und nicht das Bewusstsein über die Welt in der Realität. Das Revival dieser Ideologie, die Neohippie-Bewegung Goa, präsentiert sich heute gut als Anschauungsobjekt dieser falschen Kritik.

Die allmähliche Verdrängung der Hippiedrogen dur ch die Drogen der 88er Generation machte eine ganz andere Form von Rausch konsumierb ar. Dieser machte nicht wie Alkohol simpel, stumpf und widerlich und stülpt e dem Bewusstsein auch nicht das Unbewusste über wie die 68er Drogen. Der Rausch auf Designerdroge n ermöglicht sogar die Verdrängung des Verdrängungsaktes selbst, da die Selbstwahrne hmung auf dem Rausch ei n Bild einer eigenen Subjektivität erzeugt, die gar nichts zu verdrä ngen hat. Solange der Turn dauert, ist das bürgerliche Glücksversprechen scheinbar einge löst, weil dem Versprechen in der Konkurenz Aller gegen Alle Glück zu suchen, durch di ese Substanzen ja Rechnung getragen ist. Andererseits ist mit dem Erleben des Turns auch die Frage aufgeworfen, ob das nicht immer so sein kann. Die Antwort der Realität darauf ist natürlich: Nein. Eine mögliche Motivation dafür, etwas gegen die Realität zu unternehmen, wäre damit gegeben.

"

Innergesellschaftliche Außergesellschaftlichkeit- Zwei Jahrzehnte Veräußerung der Bedürfnisse: Raven, Techno und Designerdrogen

April 26, 2013
Integration : "Der Imam drillte mich, bis ich ein Islamist war" - Nachrichten Politik - Deutschland - DIE WELT