November 13, 2011
"Das Spiel ist freilich eines, bei dem jeder irgendwann aus der Rolle des Zuschauers in die des Sterbenden wechseln muss, und die Angst eben davor zu übertönen, ist sein Sinn. Hinter der frivolen Plauderei über den Tod steckt die das Grauen vor ihm, wie die Katastrophenmeldung tiefe Befriedigung bewirkt, weil sie dem Empfänger bestätigt, daß er zu den Davongekommenen gehört und es wenigstens diesmal noch, andere sind, die ihr Leben verloren haben. Eigentlich laufen die Menschen unentwegt vor sich selber weg, weil sie den Tod fürchten, der ihnen aussem, was sie berühren, entgegengrinst.
[…]
Nie ist der körperliche Verfall ein Vergnügen, aber zur furchtbaren seelischen Qual und ein Grund, mittels Gymnastik und Diät dagegen anzukämpfen, wird er erst, wenn er unter der Kategorie des Sterbens begriffen wird. Weil alles Leben zugleich körperlicher Verfall ist, verwandelt das ganze Leben, das Lebens selbst, sich dann in einen endlosen Tod […]."

— Wolfgang Pohrt: Brothers in Crime. Die Menschen im Zeitalter ihrer Überflüssigkeit. Über die Herkunft von Gruppen, Cliquen, Banden, Rackets und Gangs; Edition Tiamat, Berlin 1997, S. 144 f.

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