November 28, 2011
Bittermann über Pohrt

In einem aus dieser Veranstaltung heraus entstandenen Buch
ergriff Pohrt die Gelegenheit, die Positionen der sogenannten “Antideutschen” zu
kritisieren, als deren Ikone und theoretischer Protagonist er galt, und zwar mit dem
Hinweis, daß jede Wahrheit einen Zeitkern hat, also nur gültig ist unter bestimmten
gesellschaftlichen Bedingungen. “Manche Leute freut es, wenn sie von sich behaupten
können, sie hätten es schon immer gesagt. Mir geht es weniger um die Ewigkeit als den
richtigen Zeitpunkt. Deshalb gefällt es mir, dass ein umfangreicher Teil meines 1992
erschienenen Buches ›Das Jahr danach‹ die Ausländerverfolgung anprangert. Und aus
dem gleichen Grund wäre es mir nicht angenehm, wenn dieser Text unkommentiert jetzt
wieder erschiene, wo sein Charakter der eines Mit-den-Wölfen-Heulens wäre.” Als 1991
in Rostock-Lichtenhagen das Wohnheim für Ausländer in Brand gesteckt wurde, hatte der
Staat auf der ganzen Linie versagt. Zehn Jahre danach sah die Sache anders aus:
“Antisemiten und Rassisten werden bekämpft, weil man sie benötigt. Sie werden
gebraucht, weil sie so was wie der Dreck sind, an welchem der Saubermann zeigen kann,
dass er einer ist. Sie werden gebraucht, damit Schröder die von ihm geführten Raubzüge
der Elite als ›Aufstand der Anständigen‹ zelebrieren kann. Sie werden gebraucht, weil
die Ächtung von Antisemitismus und Rassismus das moralische Korsett einer Clique sind,
die sich sonst alles erlauben will, jede Abgreiferei, aber wie jeder Verein für ihren
Bestand Verbote und Tabus benötigt.”

[…]

Damit hatte sich Pohrt wieder einmal der politischen Einvernahme durch die Linke,
bzw. einer ihrer Fraktionen, entzogen. Er hatte die letzten Bewunderer vor den Kopf
gestoßen und die letzten Drähte gekappt. Und er hat dies getan, ohne sich neue Freunde
zu schaffen. Er hat sich von der Restlinken verabschiedet, ohne sich ins bürgerliche
Lager zu retten, indem er keinen Zweifel darüber aufkommen ließ, was er von diesem
hält.

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