Was mich in die Arbeit an dem, was seitens dieser Gruppe vorgebracht wird, geführt hat, war das Interesse an der akademischen Kultur in Deutschland. Man tut den hier zur Diskussion stehenden Deutungen des Augustinischen Zeitproblems, die monomanisch ihr eigenes Garn weiter stricken und die die lehrstuhlkonforme Interpretation des berühmten Textes durchsetzen, keine Gewalt an, wenn man sie als Ableger des heideggerischen Seinshörens versteht und sie unter dem Etikett ›existentialontologisch‹ zusammenfaßt.
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Die Frage, entlang der hier die existentialontologische Deutungstradition des Augustinischen Textes behandelt werden soll, betrifft das Verhältnis von Philosophie und Realgeschichte; man kann auch von dem Verhältnis sprechen, das zwischen dem Denken und dem, was wir Menschen einander antun, besteht.
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Darzulegen war also nicht das bloße (nämlich: das) allgemeingültige Faktum des praktischen Charakters des Denkens, sondern die Frage lautete: in welchem Verhältnis steht das, was seitens der genannten Deutungstradition vorgebracht wird, zu dem, was in der Zeit nach 1945 im deutschsprachigen Raum Geschichte war und ist?
Die bundesrepublikanische Nachkriegsgesellschaft ist als eine klandestine Verbrechergemeinschaft zu verstehen. Abgesehen von den Emigranten und wenigen unliebsamen Ausnahmen waren der überwältigende Teil der Überlebenden, mittelbar oder unmittelbar, in die Verbrechen des Krieges und der industriellen Vernichtung von Menschen verwickelt. Es geht hiermit nicht um Kollektivschuld, sondern darum, daß, wie gesagt, mit wenigen Ausnahmen, jeder Einzelne mittel- oder unmittelbar mitgetan hat. Vor diesem Hintergrund ist das große Schweigen, das bis in die späten 1960er Jahre und über diese hinaus andauerte, zu verstehen. Dieses große Schweigen deutscher Zunge, das seinerseits die Kontinuitäten nationalsozialistischer Einflußnahme nach 1945 ermöglichte, kennt jeder Nachgeborene aus der eigenen Familiengeschichte.
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Was für Heidegger gilt: daß sein Denken mit seinem und seiner Zeitgenossen Tun in bestem Einklang steht, gilt auch für die im Folgenden zu Worte kommenden Autoren: was sie vorbringen, entspricht dem, was nach 1945 Geschichte war und ist. Um einen Ausdruck von Hannah Arendt aufzunehmen (Givsan 1998 a, S. 114 ff.): das Denken wohnt immer schon in der Gosse; es kommt darauf an, wie man sich dort, in der Gosse, gegen das, was die Menschen dort einander antun, verhält.
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