May 5, 2011
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Die allgemeine und anhaltende Faszination der Postmoderne verdankt sich wohl der Tatsache, daß man keinen Text von Derrida, Lyotard oder Butler gelesen haben muß, um an der “Postmoderne” teilzuhaben. Ausschlaggebend ist nicht deren Inhalt, den nicht einmal die Vor- oder Meisterdenker anzugeben wüßten, sondern ein bestimmter Gestus des “Aufräumens”, “Tabula-rasa-Machens”, der sich in bestimmten Stichworten - “Dekonstruktion”, “Macht”, “Diskurs”, “Sex und Gender”, “Identität” - indiziert, die den Mitgliedern der postmodernen Gemeinde als Erkennungsmarken dienen und als Ausweis dafür, daß man zu jenen erlesenen Kreisen gehöre, wo man sich

die brillanten und höheren Gedanken mache. Was unter den Labels “Poststrukturalismus” oder “Postmoderne” sich versammelt, ist eine Attitüde, eine Philosophie, die nicht inhaltlich angeeignet werden muß, sondern als Segment des individuellen Lifestyle getragen werden kann.

Der Philosoph als Star, das Publikum als Fan-Gemeinde und die Philosophie als Ware von der Stange: die “Postmoderne” signalisiert die durchgesetzte Herrschaft kulturindustriellen Marketings, die unmittelbare Herrschaft der Ware selbst in den luftigsten Bereichen des Überbaus. Derart als Symptom genommen, ist die “Postmoderne” allerdings ein ernstzunehmendes Phänomen.

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O Herr, deleuze uns von dem Übel. Warum der materialistische Kritiker mit der Postmoderne nie glücklich werden kann. von Clemens Nachtmann

In: jungle-world.com - Archiv - 46/1997; Dossier: Hab mich gerne, Postmoderne.